Marco

Meine ersten drei Jahre in Hamburg habe ich quasi in der Speicherstadt gelebt. Zwar war meine WG in Borgfelde, durch eine wahnsinnig intensive Ausbildung fühlte es sich für mich aber eher an, als würde ich mehr Zeit in meiner Schule verbringen als tatsächlich zu Hause. Und lernen durfte ich an diesem Ort viel! Allerdings nicht nur für meinen späteren Beruf, sondern auch über mich selbst, über meine Homosexualität und über die Homosexualität anderer. Denn auch von offen schwul lebenden Dozenten unterrichtet zu werden, war für mich völlig neu und sehr befreiend und belebend. Auch heute verbringe ich noch immer gern Zeit in der Speicherstadt und in der nahegelegenen Hafencity. Der Blick in die Fleete wird mich vermutlich nie langweilen.



My first three years in Hamburg I virtually lived in the Speicherstadt (Hamburg’s famous old ensemble of port warehouses). I had my shared flat in Borgfelde (a fairly small district in Hamburg), however, I feel I spent much more time in the Speicherstadt than at home due to my crazily intense vocational training. I really learned a lot there. Not only for my later job and career but also about myself, my homosexuality and the homosexuality of others. I was taught by openly gay lecturers which was not only totally new to me but also liberating and inspiring. I still like to spend time at the Speicherstadt and the nearby Hafencity (Hamburg’s inner-city urban development area). Looking at the town canals there never gets boring to me.



Speicherstadt, Hamburg

Hier lernte ich viel, auch über meine Homosexu-alität.


I learned a lot here, also about my homosex-uality.

Paul

Ottensen und die Elbe waren meine ersten Stationen, als ich 2012 nach Hamburg kam. In diesem Stadtteil habe ich das Lieben und Leben gelernt, welches ganz anders war, als ich es von dem Dorf kannte, aus dem ich komme. In Ottensen ist es bunt, laut und man ist hier frei. Von den vielen Sprachen, Nationalitäten und den Regenbogenfahnen an Balkonen lebt Ottensen. Als schwuler junger Mann ist es hier sehr schön. Ich habe auch in anderen Stadtteilen in Hamburg gewohnt, doch mir war immer wieder klar, ich will zurück in mein Ottensen, das „kleine Paris an der Elbe“. Am Altonaer Balkon abends mit einem Bier den Sonnenuntergang zu genießen oder vom Balkon die Schiffe auf der Elbe tuten zu hören, lässt mich immer wieder wissen: Hier bin ich zu Hause. 



Ottensen (one of Hamburg’s most popular districts) and the river Elbe were my first favorite stops when I moved to Hamburg in 2012. In this district I learned to live and love in a way that I was not used to back in my small hometown. In Ottensen life is colorful, noisy and free. It is marked by the different languages people speak, the different nationalities as well as the number of rainbow flags hanging from the balconies. As a young gay man living here is wonderful. I stayed in other parts of the city, too, but I always knew I would return to my Ottensen or “the small Paris at the river Elbe“ as some people call it. When I enjoy the sunset with a beer in my hand at the Altonaer Balkon (a viewpoint from where you have a lovely view down at the river and the port) or when I hear the horns of the ships from afar I know for sure: This is my home.



Ottensen, Hamburg

Hier bin ich zu Hause.


This is my home.

Denstone

Ich bin gern hier. Hierher komme ich, um mich zu reflektieren, um meine Gedanken zu sortieren. Die Ruhe. Die Entschleunigung. Den Blick nach innen gerichtet schaue ich ihn mir an, den Wald. Jeder Baum ist anders. Jeder Baum wächst so, wie er kann, so, wie er möchte. Doch ergibt genau diese Andersartigkeit der Bäume das Gesamtbild, den Wald. Es zeigt:
Ich darf sein, wer ich bin!



I like being here. I come here to reflect, to gather my thoughts. Peace. Slowing down. Looking inwards I look at the woods. Each tree is different. Each tree grows the way it can and the way it likes. However, it is this very otherness of the trees that forms its overall picture, the woods. It says:
I can be who I am!



Wald am Alsterlauf, Hamburg

Ich darf sein, wer ich bin!

I can be who I am.

Toni

Köln war einfach Liebe auf den ersten Blick. Es empfängt alle, die es zulassen, mit offenen Armen – mein Sehnsuchtsort. Für mich war sofort klar: Hier will ich leben. 17 Jahre später blicke ich auf viele erste Male zurück: Das erste Date, die erste Beziehung und den ersten schlimmen Liebeskummer. Hier habe ich als Kleinstadtjunge aus Brandenburg zu mir gefunden, meinen Lebensmittelpunkt eingerichtet und mich in meinen Herzmann verliebt. „Du bist Köln […] du nimmst jeden auf den Arm und an die Hand…“ heißt es in einem Lied von Tommy Engel. Dem kann ich nur zustimmen!



Cologne was love at first sight. The city welcomes everyone, who lets it happen, with open arms. It’s the place where I want to be. It was clear from the very start: I want to live here. 17 years later I look back on a number of firsts: first date, first relationship and first bad heartache. Coming from Brandenburg as a small town boy, I found myself here in Cologne. I found my centre of being and fell in love with my Mr. Right. “You are Cologne […] you take everyone into your arms and by the hand …“ – that’s how the song lyrics go by Tommy Engel. I couldn’t agree more.

Stadt Köln

Köln war einfach Liebe auf den ersten Blick.

Cologne was love at first sight.

Manno

Erst an wechselnden Orten, dann einige Jahre am Rande des Schanzenviertels gab es jeden Donnerstag die „Schwule Baustelle“. Dies war die Kneipe, durch die ich – frisch getrennt – Ende der 90er Jahre in die schwule links-alternative Szene Hamburgs eintauchte. Sie gab mir, zunächst als Besucher, später auch einige Zeit im Orga-Kollektiv donnerstags ein Zuhause. An der Bar warmes (!) Bier auszuschenken und Sekt in Zahnputzbecher zu füllen, war schon etwas Besonderes. Und einen Flirt anzufangen, war für mich dort viel einfacher als in jeder anderen schwulen Bar.
Anfang der Nuller-Jahre war die Hochzeit der „Schwulen Baustelle“ vorbei, heute gibt es sie nicht mehr. Der Donnerstagabend als DER schwule Kneipenabend konnte bis heute nicht wieder mit etwas Ähnlichem besetzt werden.



First the locations varied, then the “Schwule Baustelle“ (gay building site) found its home at the edge of the Schanzenviertel (Hamburg’s multicultural district) every Thursday. This was where I came to enter the left and alternative gay scene in Hamburg right after my separation from my former boyfriend. It became my home once a week, first as a visitor, later as part of the committee that organized the events. To serve the guests warm (!) beer and sparkling wine that was to be filled into toothbrush mugs was a special treat. And also, to start a flirt with someone was so much easier than at any other gay bar in town.
By the beginning of the noughties, the “Baustelle“ had ceased to appeal to many and it doesn’t exist anymore today. Alas, there has never been any such Thursday pub night quite like the one at the “Baustelle“ again.


„Schwule Baustelle“, Hamburg

Sie gab mir donners-tags ein Zuhause.

It became my home each Thursday.

Axel

Vor sechs Jahren hat sich mein Leben als Ehemann und Vater aufgrund meines Coming-Outs um 180 Grad gedreht. Der damit verbundene persönliche Neustart hat mich von einem kleinen Ort bei Lüneburg nach Hamburg geführt. Zum Glück fand ich schnell eine schöne Wohnung in Rothenburgsort. Auch wenn es am Anfang alles andere als leicht war, habe ich hier mein zweites Zuhause gefunden. Die Nähe zur Innenstadt, zum Nachtleben sowie zur Elbe und zur Natur genieße ich sehr. Letztendlich habe ich durch diesen Neustart hier in Rothenburgsort zu mir selbst gefunden. Meine Tochter besucht mich oft, fühlt sich auch wohl hier und wir haben einen sehr engen Kontakt zueinander.

Six years ago my life as a husband and a dad turned upside down because of my coming-out. The new start of my personal life brought me from a small town near Lüneburg (in Lower Saxony) to Hamburg. Luckily, I soon found a nice flat in Rothenburgsort (a district south of the river Bille). It wasn’t at all easy at first but I managed to build a new home here. I love being close to the city centre, Hamburg’s nightlife, the river Elbe and nature in general. After all, one might say I found myself here in Rothenburgsort due to my new beginning. My daughter often comes to visit me, she feels comfortable here and we are still very close.


Rothenburgsort, Hamburg

Ich habe durch diesen Neustart hier zu mir selbst gefunden.

I found myself here due to my new beginning.

Martin

Der Hansaplatz ist ein wichtiger Ort für mich, weil ich hier vor ein paar Jahren in eine WG gezogen bin, in der ich mich geborgen fühle wie bei meiner Familie. Nachdem ich mit meiner damaligen Freundin nach Hamburg gezogen war, entdeckte ich, dass ich auf Männer stehe. Wir haben dann noch ein paar Jahre zu zweit zusammengewohnt, aber durch eine glückliche Fügung habe ich dann meine WG mit drei weiteren schwulen Männern kennengelernt. Die suchten zufällig grad einen Mitbewohner – fast so, als ob das Schicksal es so gewollt hätte. Dort fühle ich mich – trotz der mitunter unfreundlichen Atmosphäre des Platzes – endlich angekommen. 

Hansaplatz is an important place to me because here I moved into a shared flat, in which I feel as comfortable as with my own family. I had moved to Hamburg with my then girlfriend but soon I realized that I fancied men. We still lived together for a couple of more years but really, fate would have it that one day I met three other gay men who were looking for a fourth flat mate at Hansaplatz. What a coincidence! Here – despite the sometimes uncomfortable atmosphere of the square – I feel at home, I feel comfortably happy. 


Hansaplatz, Hamburg

Es war, als ob das Schicksal es so gewollt hätte.

Really, fate would have it that I came here.

Hendrik

Lange hatte ich überlegt, von Oldenburg nach Hamburg zu ziehen. Und letztes Jahr war es endlich soweit. Mein neues Zuhause wurde St. Georg, genauer die Lange Reihe. Besonders aber die Alster bzw. die Schwanenwik hat es mir angetan. Hier kommen alle zusammen, ob jung oder alt, arm oder reich, gay oder hetero. Hier ist alles egal, die Magie und das Funkeln des Wassers zieht alle an. Hier hatte ich erste schwule Dates (wofür sich dieser Ort besonders gut eignet, ist man doch nicht allein hier als Schwuler), Treffen mit Freund*innen auf ein Bier bei Sonnenuntergang oder einfach nur Zeit für mich zum Abschalten. Das Beste für mich an diesem Ort ist jedoch der tolle Blick auf die Stadt. 

I had thought long and hard whether to move from Oldenburg (in Lower Saxony) to Hamburg. Then last year, the time had come. St Georg (Hamburg’s probably queerest district) became my new home, or rather Lange Reihe (the gay hotspot of the city). However, I grew especially fond of the Alster Lake and Schwanenwik in its midst. Here you can find everyone, young or old, rich or poor, gay or straight. Nothing matters but the magic and the glitter of the water. I had my first dates here (something for which this location is suited perfectly as you are never alone as a gay person), I meet friends for a sundowner or simply have time to hang out on my own. What I like most, however, is the wonderful view of the city’s skyline.


Schwanenwik, Hamburg

Die Magie und das Funkeln des Wassers zieht alle an.

Nothing matters but the magic and the glitter of the water.

Domenico

Alles fing mit der Brücke an: Die Bösebrücke ist für mich gleichzeitig ein Ort des Ankommens, der Liebe und des Erwachsenwerdens. Als ich 2011 mit meinem Freund – ein Italiener wie ich – nach Berlin kam, bezogen wir eine winzige Wohnung in der Bornholmer Straße, die sofort unser Liebesnest wurde. Dort haben wir gelernt, zusammenzuleben und füreinander da zu sein. Seit über sechs Jahren wohnen wir in einer anderen, viel größeren Wohnung, aber zur Bornholmer Straße mit seiner Geschichte und seiner imposanten Brücke kehre ich immer wieder gerne zurück. 

Everything started with the bridge: the Bösebrücke (which formerly marked one borderline between East and West Germany) is both a place of arrival and love and somehow also of coming-of-age. When I came to Berlin with my boyfriend – an Italian like me – we moved into this tiny flat at Bornholmer Straße which immediately became our love nest. There we learned to live together and to be there for each other. For six years now we have lived in a different, much bigger flat but I always like to return to Bornholmer Straße with its history and its impressive bridge.


Bösebrücke / Bornholmer Straße, Berlin

Es ist gleichzeitig ein Ort des Ankom-mens, der Liebe und des Erwachsen-werdens.

It’s both a place of arrival and love and somehow also of coming-of-age.

Roland

Viele Jahre war und ist der queere Buchladen „Prinz Eisenherz“ mein Leben und es ist noch wie am ersten Tag: die Liebe zu Büchern und zur queeren Kultur, die ungemeine Freude am persönlichen Gespräch und der Empfehlung, die räumliche Nähe zur Szene hier in Schöneberg und der Wunsch, eine Institution für Menschen jeglicher Ausrichtung jenseits der Normen einer heterosexuell geprägten Kulturlandschaft bieten zu können.

The queer bookshop “Prinz Eisenherz“ has been my life for many years and it still is. My love for books and for the queer culture remains unbroken and so is the joy to talk to customers and recommend great books. I totally appreciate the closeness to the queer scene here in Schöneberg (Berlin’s queerest district and center of the gay scene). And I still love the idea to offer people of all sorts of gender and sexual orientation an institution and safe space beyond the limits of a hetero-normative society.   

„Prinz Eisenherz“, Berlin

Der queere Buchladen ist seit vielen Jahren mein Leben.

The queer bookshop has been my life for many years.

Edo

Die Bar „Luzia“ in Kreuzberg hat mein Leben verändert. Dort erkannte ich zum ersten Mal, was Berlin mir als schwulem Exil-Italiener bedeuten könnte: ein Ort der Anerkennung, der Möglichkeiten, der obskuren Lust und gefährlichen Leidenschaft.

Ich arbeitete dort ungefähr ein Jahr. Hinter dem Tresen fühlte ich mich begehrt und im Wortsinne selbst-bewusst; frei, mich fallenzulassen; ein Drink nach dem anderen, ein Gast nach dem anderen. 

Gold, so wie die Wände hier drinnen – das ist das Wort, das mir von diesem Ort im Gedächtnis geblieben ist: ein glänzender, aber auch etwas verblasster Spritzer Gold.

The bar “Luzia“ in Kreuzberg (Berlin’s notoriously famous district) changed my life. It was there where I first  realized what Berlin could mean for me as a gay exiled Italian: a place of acceptance, possibilities, obscure lust and dangerous pleasure.

I worked there for a year or so. Behind that counter I felt desired, in charge of my identity and often free to get lost, one drink after the other, one guest after the other.

Gold, as the walls in there, this would be the word I keep in my memory from that place: a shiny, yet degraded splash of gold. 

Bar „Luzia“, Berlin

„Luzia“, ein Ort der Lust und gefähr-lichen Leiden-schaft.

„Luzia“, a place of lust and dangerous pleasure.

Max

Berlin Berlin! Nach meiner ewigen Suche nach einem Ort, an dem ich mich komplett ausleben kann, bin ich vor vier Jahren in Friedrichshain angekommen. Und hier eröffneten sich ganz neue Welten, weit weg vom westdeutschen Dorfleben, was mich ganz schön runtergezogen hatte. Ich bin nicht der Typ, der sich verstecken möchte oder das könnte. Hier brauche ich das nicht mehr. 

Der Kiez hat viele wunderbare Bars, Clubs, Parks und Treffpunkte. Für jeglichen Geschmack ist etwas dabei, denn jede*r hat hier eine Chance, ganz besonders zu sein und macht sich damit nicht zum Außenseiter, sondern zum Teil dieser kreativen, queeren und bunten Community. 

After a long search for a place where I could totally be myself, I arrived in Friedrichshain (former East Berlin district which has become immensely diverse and popular). Here I discovered and explored new worlds – far off the small-minded West German bourgeoisie which had dragged me down. I’m not the kind of guy to hide, I couldn’t even if I tried. Here I do not need to be. 

This “Kiez“ (homely quarter) has lots of fabulous bars, clubs, parks and venues. There is something for everybody because everyone can be special here and not be an outsider but part of the creative, queer and diverse community. 

Friedrichshain, Berlin

Hier eröffneten sich ganz neue Welten.

Here I discovered and explored new worlds.

Stefan

Der Liebe wegen habe ich Anfang 2000 ungeplant in Hamburg festgemacht. Das Café Gnosa in der Langen Reihe wurde schnell zum zweiten Wohnzimmer. Hier entstanden Freundschaften, hier scheiterten Dates. Heute bin ich seltener dort, aber noch genauso gerne; ein Eierlikör geht immer. 

Fast von Beginn an habe ich in St. Georg und in unmittelbarer Nähe zur Langen Reihe gearbeitet, im Job und im Ehrenamt. Ich verbringe also viel Zeit im Viertel und bin gleichzeitig froh, in Barmbek-Süd zu wohnen und Abstand zu finden. 

Dass ich als Mit-Organisator die jährliche CSD-Demo durch die Lange Reihe mit anführen darf, ist eine große Ehre. Wenn wir uns beim Gnosa aufstellen und die Straße hinaufschauen, wo sich tausende Menschen in fröhlicher Erwartung drängeln: Dann ist St. Georg ein echter Glücksort.

Love brought me to Hamburg in the year 2000 – quite unexpectedly. The Café Gnosa in Lange Reihe (Hamburg’s most popular street for queer life) soon became my second living-room. Here friendships started and dates ended badly. Today I’m not a guest there as often as I used to but still: I like it there and there’s always time for an egg liqueur. 

I worked in St Georg (probably Hamburg’s most diverse area) and close to Lange Reihe both professionally and voluntarily almost from the very beginning of my time in Hamburg. Hence, I spend a lot of time there. At the same time I’m glad not to live there either. Instead Barmbek-Süd (a quieter yet central district) is where I found my home and where I’m able to keep my distance to the hustle and bustle that is St Georg. 

It is a great honour that I can lead the annual Pride demonstration through Lange Reihe as one of the organizers. When we start off at the Gnosa and I look at the thousands of people in joyful expectation, I experience St Georg as a blissful location. 

Lange Reihe, Hamburg

Hier entstanden Freund- schaften, hier scheiterten Dates.

Here friend- ships started and dates ended badly.

Klaus

Seit frühester Kindheit bin ich mit St. Georg verbunden, da ich dort aufgewachsen bin. Natürlich hatte ich dort auch meine erste eigene Wohnung; insofern war es nur eine Frage der Zeit, dass ich ehrenamtlich in der Langen Reihe bei der dortigen AIDS-Hilfe tätig wurde. Seit 2005 nutze ich dort die Gelegenheit, Gutes für die überwiegend queere Gemeinde zu tun.  

Die ehrenamtlichen Helfer*innen übernehmen hier viele Aufgaben, für die in der Vielfalt sonst weder Geld noch Personal da wäre: Sie führen Aufklärungsveranstaltungen durch, verteilen Kondome bei Partys und in Bars, begleiten HIV-Infizierte im Alltag, arbeiten an der Telefonberatung mit, engagieren sich in der Öffentlichkeitsarbeit usw. Dies ist Teil meines schwulen Lebens. 

I have had strong ties with St Georg (Hamburg’s famous diverse district) since my early childhood because I grew up there. So it was a given that I had my first own flat there. Hence, it was only a matter of time until I came to voluntarily work for the AIDS-Hilfe (the German AIDS-organization) in Lange Reihe (the popular queer area in St Georg). I have been working for the good cause since 2005.  

The voluntary workers take over a variety of tasks which would otherwise not be done due to a lack of resources: they host events for sex education and prevention, distribute condoms at parties and bars, accompany HIV-infected people in their daily lives, work at helplines on the phone and operate in publicity work. All this is part of my gay life.  

AIDS-Hilfe, Hamburg

Die Arbeit dort ist Teil meines schwulen Lebens.

Working there is part of my gay life.

Gigi La Pajette

Als gebürtige Österreicherin wollte ich in die große, weite Welt. Über Kärnten und Wien kam ich vor einigen Jahren nach Hamburg. Ich habe zwei Jahre hart gearbeitet und mich hier immer unwohler gefühlt. Ich hatte kaum Zeit für mich oder für meine Seele. So war ich kurz davor, nach Österreich zurückzugehen. Doch an der Elbe hat sich für mich alles schlagartig geändert. Ich hatte vom südlichen Elbufer einen anderen Blick auf Hamburg, mein Leben und auf das Glitzern der sich spiegelnden Sonne im Wasser. So entstand Gigi La Pajette; sie sollte von innen und außen genauso wunderschön glitzern wie die Sonne in der Elbe. Mittlerweile lebe ich seit elf Jahren in dieser wunderschönen Stadt und bin froh und dankbar, geblieben zu sein.

Behind the scenes mit Gigi – hier!

Born in Austria, I wanted to see the big, wide world. Hence, I came to Hamburg a couple of years ago, via Kärnten and Vienna. For two years I worked really hard but I kept feeling miserable. I hardly had any time for myself nor my soul, so I was about to return to Austria. But sitting at the riverside of the Elbe things changed all of a sudden. Looking at Hamburg from the southern side of the river Elbe, it was a different view altogether onto Hamburg, my life and the reflection of the sun in the glittering water. That’s how Gigi La Palette came to life; she was to be as beautifully shiny from the inside as well as from the outside. By now I have been living in Hamburg for about eleven years and I am truly grateful to have stayed in this wonderful city.


Behind the scenes with Gigi – here!  

Südliches Elbufer, Hamburg

Gigi sollte so glitzernd sein wie die Sonne in der Elbe.

Gigi was to be as shiny as the glittering sun in the river Elbe.

Thomas

Hier am Elbstrand singt der Wind und die Seele atmet durch. Und an diesem Ort wurde ich zum ersten Mal von einem Mann geküsst. Meine erste große Liebe. Damals war die „Strandperle“ am Elbstrand noch ein kleiner Geheimtipp und man war unter sich. Heute kaum noch vorstellbar!

Auch als Schauspieler und Sänger habe ich auf vielen Schiffen gearbeitet und das Meer hat eine ganz eigene Anziehungskraft. Hamburg, die Stadt am Wasser, ist meine Heimat! Hier muss man sich nicht verstecken, man kann sein wie man ist. Hier spüre ich mein Lebensmotto: „Singen heißt die Seele hörbar machen“.

Here at the river Elbe and its beach, the wind sings and the mind takes a deep breath. And here, I was kissed by a man for the first time ever. My first great love. At that time the bistro on the beach called “Strandperle“ (beach pearl) was an insider tip and very few people hung out there. Unbelievable.

I have worked on many cruise ships as an actor and singer and to me the ocean has its very unique appeal. Hamburg, city by the sea, is my hometown. Here there is no need to hide, you can be your true self. Here I feel my credo: „Singing makes the soul audible.“

Elbstrand, Hamburg

Hier wurde ich zum ersten Mal von einem Mann geküsst.

Here I was kissed by a man for the first time ever.

Marcel

In meiner Selbstfindungsphase festigte sich schnell der Wunsch nach Berlin zu fliehen und meine queere Identität zu leben. Als ich direkt nach meinem Studienjahr in Frankreich herkam, wusste ich noch nicht viel von der Stadt, geschweige denn vom Nachtleben, von der queeren Szene hier. Umso spannender war es, mich prompt mit einem Freund am Alexanderplatz zu verabreden, um in meine erste schwule Berliner Nacht zu starten. Kurz darauf fand ich mich tanzend auf der GMF-Dachterrasse wieder, umgeben von Gleichgesinnten, mit Blick auf den Fernsehturm: BERLIN! Da stand ich, überwältigt von der Magie des Moments, und er rief mir zu „Bereit für das echte Leben?“ Und ja, das war ich! Meine Karussellfahrt begann!

In my self-discovery phase, the desire to flee to Berlin and to live my queer identity quickly solidified. When I came here right after my academic year in France, I didn’t know much about the city, let alone the nightlife or the queer scene here. It was all the more exciting to meet a friend at Alexanderplatz promptly to start my first gay night in Berlin. Shortly afterwards I found myself dancing on the GMF roof terrace, surrounded by like-minded people, with a view of the television tower: BERLIN! There I was, overwhelmed by the magic of the moment, and it called out to me „Ready for real life?“ And yes I was! Life is a rollercoaster!

Alexanderplatz, Berlin

„Bereit für das echte Leben?“ Und ja, das war ich!

„Ready for real life?“ And yes I was!

Patrick

Es gibt wenig Orte, an denen ich mich so wohl fühle wie zu Hause. Wo ich so sein kann, wie ich will. Mein Zuhause ist ein ganz besonderer Ort für mich. Die erste gemeinsame Wohnung mit meinem Partner. Ein Ort, der mir Sicherheit gibt; ein Ort, von wo ich gerne arbeite; ein Ort, an dem ich kreativ sein kann und den ich gerne mit meinen Freunden und Freundinnen teile.

Seit 2015 bin ich nun in Hamburg, aktuell kann ich mir keinen schöneren Ort vorstellen. Ich habe hier alles, was ich brauche.

Was ich in den letzten Jahren gelernt habe und gerne anderen auf den Weg geben würde: Wenn du etwas im Kopf hast, sei es eine Idee, ein Hobby oder sonst etwas, setze es so schnell wie möglich um und probier dich aus. Trau dich und sei mutig! 


There are few places I feel as comfortable as at home. This is where I can be myself. My home is a very special place to me. It’s the first shared flat with my boyfriend. A safe space; a space where I like to work, where I can be creative and where I can be with my friends. 

I’ve moved to Hamburg in 2015 and I could not think of a better place right now. Here I have everything I need.

Something I have learnt in the past years and which I would like to share and pass on to others is: If you have something on your mind, be it an idea or a hobby or such, put it into practice as soon as possible. Test yourself. Be bold and brave. 

Meine Wohnung, Hamburg

Ich habe hier alles, was ich brauche.

Here I have everything I need.

Tobias

Für mich ging es vom Dorf in die Bundeshauptstadt. Durch einen günstigen Zufall bin ich 2006 in die Wintersteinstraße in Berlin Charlottenburg gezogen und es war für mich der langersehnte Befreiungsschlag. Gegenüber meiner damaligen WG gibt es eine Hauswand mit einem riesigen angemalten Schiff, unweit davon die Spree. Ich habe mit meinem ersten Freund dort am Ufer gelegen, habe Gedichte über mein Coming Out im Park geschrieben, mich abgenabelt, mich getrennt – und neu verliebt. Und eine neue Offenheit der (schwulen) Welt erfahren, wie ich sie mir immer gewünscht habe. 

I came all the way from a little village to the very capital of Germany. By fortunate coincidence, in 2006 I moved to Wintersteinstraße in Berlin’s rather elegant district of Charlottenburg. This was the long-awaited moment of liberation to me. Right opposite of my shared flat there is a wall with a huge mural: a gigantic ship. And close by the river Spree. There I lay by the river with my first boyfriend, wrote poems about my coming-out, cut the cord, left my love behind – and fell in love again. Also, I experienced a new openness of the (gay) world that I had always longed for.

 

Charlottenburg, Berlin

Der Umzug nach Berlin war für mich ein Befreiungs-schlag.

Moving to Berlin was a moment of liberation to me.

Roman

Hamburg und vor allem die Neustadt waren für mich ein totaler Bruch mit meinem alten Leben. Alles wurde auf den Kopf gestellt. Auch die Liebe. Neuorientierung, das Verlassen alter Pfade begann hier. Keinen Tag habe ich bisher bereut, im Gegenteil. Hamburg ist, nach immerhin nun sieben Jahren, erfrischend und immer ein bisschen wie Urlaub. Hier habe ich meine große Liebe gefunden und geheiratet und auch ein Nest gebaut. Mein schwules Leben ist hier – für mich – ein stetiges, schönes und ganz natürliches geworden. So wie es eben sein sollte. Als schwuler Mann fühlte ich mich hier immer sehr gut aufgehoben und ja, auch sicher. 

Hamburg and especially the district called Neustadt meant a clean cut with my old life. Everything turned upside down, including love. I was refocussing and left old ways. However, I have never regretted it in the least. Even after seven years Hamburg still feels new and a little like holiday to me. Here I found my great love and have built a nest for the two of us. My gay life has – to me – become a constant, beautiful and absolutely natural one. Just like it should be. As a gay man I have always felt safe here and indeed at home.

 

Neustadt, Hamburg

Die Neustadt war für mich ein totaler Bruch mit meinem alten Leben.

The district called Neustadt meant a clean cut with my old life.

Monty

Dies ist der Abstieg in die Weinstuben am Großneumarkt, unterer Teil der Gaststätte „Thämers“. Der heutige „Herr Buhbe“ ist jetzt wieder, was dieser hübsche Ort schon in den 90er Jahren war: eine Spielstätte für Kleinkunst mit toller Gastronomie (oder eine tolle Gastronomie, wo auch Kleinkunst stattfinden kann). Hier habe ich selbst einige Male auf der Bühne gestanden, weitaus häufiger aber Kollegen wie der Chansonniere Lilli Walzer zugehört. Oder Joe Luga, der hier unentwegt spielte und Kollegen zusammenbrachte. Joe war faszinierend – ein Entertainer, der als offen Schwuler heil durchs Dritte  Reich kam. Und der es fabelhaft verstand, alt zu sein. Der Stock ist ein Erbstück von ihm.

This is the descent to the wine tavern at the Großneumarkt, the basement part of the restaurant “Thämers“. Today’s “Herr Buhbe“ is what this cosy little place was in the 90s: a venue for cabaret with great catering (or great catering with cabaret …). Here I stood on stage myself a couple of times but more often than that I came to see colleagues like the chansonniere Lilli Walzer. Or Joe Luga for that matter, who played here all the time and brought colleagues together. Joe was fascinating – an entertainer, who as an openly gay man survived the Third Reich. And someone who knew so perfectly how to be old. I inherited the cane from him.  

 

Weinstuben am Großneumarkt, Hamburg

Joe war faszinierend – ein Entertainer, der als offen Schwuler heil durchs Dritte  Reich kam.

Joe was fascinating – an entertainer, who as an openly gay man survived the Third Reich.

Thomas

Nirgendwo anders als in meinem Job wird mir Tag für Tag bewusst, dass ich schwul bin und die meisten anderen nicht. Mittlerweile arbeite ich 30 Jahre lang beim NDR. Viele Kolleg*innen sind Freund*innen geworden, ehemalige Hater Kolleg*innen. In diesen Büros und Studios wurde ich am stärksten mit Phobien anderer konfrontiert und musste die intensivsten Kämpfe austragen, was meine schwule Identität angeht. Der Aufwand hat sich gelohnt. Letztlich habe ich mir nämlich auch genau hier den größten Respekt erarbeitet.

Nowhere else than in my job do I realize on a daily basis that I am gay and most of the others are not. I have been working at the NDR (radio station for the northern part of Germany) for 30 years now. Many colleagues have become friends, former haters have become colleagues. In these offices and studios I have been confronted with other people’s phobias and had to fight severe battles as regards to my gay identity. It was worth the effort, though, because, after all, I gained the most respect right here.  

 

NDR Studios, Hamburg

In diesen Büros und Studios musste ich die intensivsten Kämpfe austragen, was meine schwule Identität angeht.

In these offices and studios I had to fight severe battles as regards to my gay identity.

Elke Winter

Aus Hildesheim kommend war Hamburg für mich immer ein Sehnsuchtsort. Diese Stadt gab mir das Gefühl von „Großer Freiheit“. Hamburgs Travestiekultur hat mein Leben stark geprägt. Die Figur der Elke Winter hat mir geholfen, hier meinen Platz zu finden

Besonders am Falkensteiner Ufer finde ich jenseits meines Alter Egos meine Ruhe und sehe viele andere „Junx“, die mit ihren Hunden am Strand rumtollen. Ein Männerpaar, das seinem Hund im Café einen Vanille-Eisbecher kauft und noch Zuckerherzen draufstreut. So bunt und crazy ist mein Hamburg, selbst in stillen Ecken. Hier bin ich echt angekommen.



Coming from the fairly small town of Hildesheim, Hamburg had always been a place of desire and longing to me. The city gave me the feeling of freedom and liberty. Also, Hamburg’s travesty scene has shaped my life. The character of “Elke Winter“ has helped me find my place here.

Spending my quality time at the Falkensteiner Ufer right at the river Elbe, I find my peace and quiet. Not in character, but as myself. I see many other gay men taking  their dogs out for a walk there. Once a gay couple bought vanilla ice cream for their dog and insisted on having sugar hearts on top. Blessed Hamburg, it can be so crazy and colourful, even in its most abandoned corners. It has really become my home.      

Falkenstein Ufer, Hamburg

Diese Figur hat mir geholfen, meinen Platz zu finden.

The character of “Elke Winter“ has helped me find my place.

Yannick

Ein Erlebnis auf dem Jungfernstieg hat mein Leben verändert. Mit 15 Jahren bin ich hier allein zu meinem ersten Christopher Street Day gegangen. Ich war noch ungeoutet in der Familie und im Freundeskreis. Weder kannte ich die LGBTIQ-Szene, andere schwule Männer oder Dating-Portale, noch hatte ich aus Film, Funk und Fernsehen schwule Role Models. Als junger Mensch und Katholik hatte ich viele Selbstzweifel, auch Selbsthass habe ich empfunden. Mein erster CSD war für mich daher ein Befreiungsschlag. Das erste Mal in einer langen Zeit konnte ich ich selbst sein, ohne mich zu verstellen oder zu verstecken. Dieser wertvolle Moment hat mir die Kraft gegeben, mich vor Familie und Freunden zu outen und mich selbst so zu akzeptieren, wie ich bin.



One incident at the Jungfernstieg, Hamburg’s famous promenade right in the centre of the city, has changed my life. I was 15 years old when I went to the Pride event on Christopher Street Day, all on my own. Nobody of my family nor my friends knew about me being gay. I neither knew the LGBTIQ-scene nor any other gay men or dating sites and I also had not come across any gay role models on TV or film. As a young man and Catholic I was very self-conscious, I even experienced self-loathing. Thus, my first Pride was a decisive turning point and an absolute relief. For the first time in a long time I could be myself without having to pretend or hide. This precious moment gave me the strength to come out to my family and friends and to accept myself the way I am.  

Jungfernstieg, Hamburg

Ein Erlebnis auf dem Jungfern-stieg hat mein Leben verändert.

One incident at the Jungfern-stieg has changed my life.

Christian und Ralf

Die „St. Georgskirche“ (eigentlich Heilige Dreieinigkeitskirche St. Georg) ist unmittelbar mit dem queeren Leben in St. Georg verbunden. Es hat uns immer wieder an diesen Ort geführt. Wir waren bei bewegenden AIDS-Gottesdiensten – mal als Besucher, aber auch mal als Chorsänger von Schola Cantorosa. Der Chor war auch Teil der schwul-lesbischen Chorabende, die öfter dort stattfanden. In dieser Kirche haben wir klassischer Musik gelauscht und über Travestie-Performances gestaunt. Im Juli 2014 haben wir dort geheiratet und 2019 um einen Freund getrauert. Alle Facetten des Lebens sind uns dort begegnet.



The so-called „St Georg Church“ is closely tied with the queer life in St Georg, Hamburg’s probably most diverse district. Something has always drawn us towards this church. We witnessed emotional AIDS-services, be it as visitor or singer in a gay choir called Schola Cantorosa. This choir has also been part of a number of queer choir events that took place at the church. At „St Georg Church“ we listened to classical music and were amazed about drag-performances. We got married there in July 2014 and we mourned a friend’s death there in 2019. We have come across all facets of life there.

St. Georgskirche, Hamburg

Alle Facetten des Lebens sind uns dort begegnet.

We have come across all facets of life there.

Michael

Hier habe ich vor knapp 19 Jahren den Entschluss gefasst, mich von meinem ersten Freund zu trennen. Ich bin durch „Planten un Blomen“ geirrt, um dann hier – umringt vom Schilf – zu landen. Die Trostlosigkeit und winterliche Vernachlässigung des Ortes spiegelten meine Gedanken genau wider. Ich hatte erst vor einem guten halben Jahr mein Coming-Out gehabt und mich zu meinem Freund bekannt. Die schwule Welt war für mich noch völlig neu. Nachdem ich also erst einen Anker gefunden hatte, der mir auf den ersten Blick Halt geben konnte, musste ich diese Sicherheit wieder loslassen.



Almost 19 years ago I made up my mind here to leave my first boyfriend. I wandered through Hamburg’s recreational park „Planten un Blomen“ only to end up here, amidst the reed. The bleakness and wintry neglect of the place were the perfect reflection of my mood. Just half a year ago I had had my coming-out and had openly presented my boyfriend. The gay world was absolutely new to me then. So, after having found an anchor in this emotional turmoil that seemingly provided firm hold, I had to let go of it again.

Planten un Blomen, Hamburg

Die Trostlosigkeit des Ortes spiegelte meine Gedanken genau wider.

The bleakness of the place was the perfect reflection of my mood.

Falko

Mein Schrebergarten ist für mich ein Ort der Ruhe und des Rückzugs. Die Nachbarinnen und Nachbarn gehen völlig normal mit meinem Mann und mir um, und jeder Druck fällt von mir ab. Noch vor wenigen Jahren hätte ich mir nicht vorstellen können, dass Schwulsein dermaßen uninteressant für andere Menschen sein kann. Hier bin ich noch nicht einmal mehr der „bekennende Homosexuelle“, sondern einfach nur Kleingärtner und Nachbar. Ich versuche jede freie Minute hier zu verbringen.



My allotment garden is a place of quiet and refuge to me. All our neighbors treat my husband and me just as anyone else and I don’t feel any kind of pressure here. A couple of years ago I couldn’t have imagined that being gay could be so uninteresting for other people. Here I’m not even the “openly gay man“ but simply the gardener and next-door neighbor. I try to spend as much time as possible here.

Schrebergarten, Hamburg

Dies ist für mich ein Ort der Ruhe und des Rückzugs.

This is a place of quiet and refuge to me.

Farid

Vor ungefähr 30 Jahren ging die „Wunderbar“ auf St. Pauli an den Start. Sie war und ist für mich bis heute ein Ort der Hoffnung und des geschützten Raums des Treffens und Nachtlebens. Dieser Ort hat es in diesen 30 Jahren geschafft, für mehrere Generationen ein Treffpunkt zu bleiben. Das ist nicht selbstverständlich bei der Jugendbezogenheit unserer Szene und deswegen besonders wertvoll.

Ich habe jedenfalls tolle Erinnerungen an Abende hinter der Bar, bei denen „Die Familie tut was“ unterwegs war und für AIDS-Projekte getrunken und getanzt hat.



About 30 years ago the “Wunderbar“, a gay bar alongside the notorious Reeperbahn, opened its gates. Since then the bar has been a place of hope and a safe space for queer encounters and a radiant night life. All this time, the bar has managed to appeal to a variety of generations – not always the case in a scene that worships the young. Thus, it is even more precious. 

Personally, I have wonderful memories of evenings behind the counter when the community charity event called “Die Familie tut was“ (“the family is doing something“) was on tour and used booze and dance to support AIDS-projects.   


„Wunderbar“, Hamburg

Ich habe tolle Erinnerun-gen an Abende hinter der Bar.

Personally, I have wonderful memories of evenings behind the counter.

Kai

Nachdem ich schon 1979 die Eröffnung des Café „Tuc Tuc“ miterlebt hatte, wurde ich bald Stammgast und Teil des Kollektivs dort. Das Café entwickelte sich schnell zum neuen Zentrum eines wichtigen Teils der Hamburger Schwulenbewegung; zum Ort, der schwule Emanzipation, Kultur, Politik und schwules Leben zusammenbrachte und stärkte. Hier trafen sich u.a. alle, die Schwulsein als kulturelle Ausdrucksform sahen und nutzten, wofür das „Tuc Tuc“ u.a. mit seiner Bühne einen guten Rahmen bot: Schwule Veranstaltungen aller Art wie Ausstellungen, Theater, Tanzgruppen, Live-Musik bis hin zum 1. Ham-burger Tuntenchor präsentierten wir hier einem gemischten Publikum. Diese Aufbruchsstimmung voller Kreativität und Vielfalt miterlebt zu haben, hat mich stark geprägt und entsprach dem, was ich damals gesucht hatte.

(Kai – Die ganze Geschichte)

In 1979 I witnessed the opening of the café „Tuc Tuc“ (then still visiting from Kiel) and soon I would become a regular guest there as well as part of the collective. Since its beginning the café was the new centre of an important part of the gay scene. The café became a gay place to ensure and empower gay emancipation, culture, politics and life. Here, among others, those men met who saw and used their being gay as a form of expressing themselves. For that the café provided a splendid framework, e.g. with its stage. Gay events, theatre, live music, dance groups, disco nights and, not least of all, the first Hamburg “Tuntenchor“ (gay choir). I experienced and was part of such a pioneering spirit full of creativity and diversity which shaped my life. Also, it was exactly what I had been looking for.

(Kai – The whole story)

„Tuc Tuc“, Hamburg

Diese Aufbruchs-stimmung voller Kreativität und Vielfalt hat mich stark geprägt.

This pioneering spirit full of creativity and diversity shaped my life

Jan

Als ich in den 80ern von Osnabrück nach Kiel kam, war meine erste Anlaufstelle die HAKI (Homosexuelle Aktionsgruppe Kiel). Es gab noch nicht das HAKI-Zentrum und die Gruppentreffen fanden damals in der „Pumpe“, einem stadtbekannten Kultur- und Kommunikationszentrum, statt. Sie war mein Startpunkt für mein schwules Leben in Kiel. Neben der Selbsthilfearbeit gab es im Keller auch die Lesben- und Schwulendisco der HAKI, also viel Spaß und Spannung im verrauchten Keller. Wild!

When I came from Osnabrück to Kiel in the 80ies, my first place of refuge was the HAKI (Kiel’s queer organization). At that time, it did not have a proper centre and the first group meetings took place at the „Pumpe“, one of Kiel’s centres for culture and communication. The „Pumpe“ was the starting point of my gay life in Kiel. Beside the various support groups of the HAKI, there was also fun and excitement: the queer disco at the „Pumpe“ offered all that in its dark and smoky basement. Wild!

„Pumpe“, Kiel

Sie war mein Startpunkt für mein schwules Leben in Kiel.

It was the starting point of my gay life in Kiel.